dd
and posted in Uncategorized

Das sollten sich Musiker mal durchlesen :)

Hand aufs Herz, wie oft habt ihr schon auf den Typen am Mischpult geschimpft? Das Leben als FOH-Tontechniker könnte wirklich schön sein, wenn da nicht ab und an die Freundin des Gitarristen („Ich habe deine Gitarre gar nicht gehört!“), Internet-Video-Plattformen („Der Gesang ist ja gar nicht zu verstehen!“) oder die Musikerpolizei („Das ist aber komisch, was macht der denn?“) wären, die nur darauf lauern, einen Anlass zum Meckern zu finden.

Als Monitormann ist es schon etwas einfacher, denn wenn die Band glücklich von der Bühne geht, ist der Job gesichert. Manchmal wäre es schön, wenn die Musiker selbst wüssten, was während der Show aus der PA kommt, aber da sie ja auf der Bühne stehen, ist das schwierig. Glücklicherweise gibt es heute Lösungen wie den virtuellen Soundcheck – entsprechendes Equipment vorausgesetzt –,bei dem die Musiker sich anhören können, was der Tontechniker vorne schraubt. Oft ist es so, dass Musiker selbst überrascht sind, wenn sie das erste Mal ihre Show während eines virtuellen Soundchecks auf der PA hören. Außerdem bietet es die Chance, zu hören was tatsächlich von der Bühne ins Mischpult geliefert wird, und das ist manchmal weit entfernt von dem Eindruck, den man als Musiker selbst auf der Bühne hat.

Um einen guten Sound zu haben, muss man sich damit beschäftigen, worauf es wirklich ankommt. Ein guter Sound – als Musiker – bedeutet, seinen Sound dem Gesamtbild anzupassen, sich in die Band einzufügen und dem Song zu dienen. In einer Band gibt es keine Solomusiker. Es hilft nicht, wenn die Gitarre alleine super fett klingt, aber im Zusammenspiel kein einziger Akkord auszumachen ist, sondern die Gitarre nur noch wie ein Staubsauger des Bühnenreinigungspersonals klingt − was dann wieder die „Musikerpolizei“ ins Spiel bringt.

Warum passiert so etwas? Woran liegt’s?

Es ist durchaus die Zeit wert, sich auch als Musiker mit dem zu beschäftigen, was jenseits der eigenen Arrangements, des eigenen Equipments und der eigenen musikalischen Leistung liegt, da es am Ende auf das Gesamtresultat ankommt. Für ein gutes Ergebnis müssen alle zusammenarbeiten und jeder muss wissen, dass er die Arbeit des anderen beeinflusst. Oft werden hohe Erwartungen an technisches Personal gestellt, die eigentlichen Probleme fangen aber schon zu Hause an, und die Problemlösung wird in den Veranstaltungsort verlagert.

Tontechniker sind keine Zauberer (!). Tontechniker müssen mit dem arbeiten, was sie bekommen – sowohl musikalisch auf der Bühne, mit den Sounds, die auf der Bühne angeboten werden, als auch mit dem Equipment, das sie gestellt bekommen. Um diesen Problemen vorzubeugen, muss man sich als Musiker immer wieder bewusst werden, dass Musik im Kopf entsteht. Alle anderen technischen Spielereien, selbst die Instrumente, dienen zur Umsetzung der künstlerischen Idee, sie sind Werkzeuge, damit Musik die Zuhörer erreicht.

Das Mischpult – und natürlich derjenige, der es bedient – ist nur eines der letzten Glieder in der Kette. Wenn man die gesamte Kette betrachtet, ist klar, dass bereits vorher viel passieren muss, um das gewünschte Gesamtergebnis zu erreichen. Es beginnt mit der Auswahl des Instruments, dem Finden des eigenen Sounds (gerade auch im Gesamtbild der Band), des richtigen Mikrofons, das den Sound so aufnimmt und weiterleitet, wie man ihn möchte, und wie er dem Gesamtbild dienlich ist.

Ein 80-Euro-Gitarren-Combo aus dem Onlineversand und ein halbes Jahr Gitarrenunterricht bringen sicherlich auch schon Spaß. Allerdings wird kein Tontechniker, kein Studio und kein Mischpult deine Band klingen lassen können wie „Angus Young“. Es ist wichtig zu verstehen, dass der endgültige Sound durch die gesamte Kette entsteht, oft ist dafür jahrelanges Üben und ein unendliches Suchen nach der idealen Kombination notwendig.

Ebenso ist es wichtig zu verstehen, dass auch ein Mikrofon zu eurem Equipment gehört (besonders als Sänger), zumindest dann, wenn ihr genau wisst, was ihr wollt. Es ist wichtig sich damit auseinanderzusetzen, wie und womit der eigene Sound von A nach B kommt. Es hilft nicht, wenn die Gitarre zwei Meter vor der Box fett klingt, denn dort ist nicht der Ort, an dem das Signal abgeholt/ übergeben wird. Der beste Ratschlag ist also: Findet eine gute Balance.

Detlef Hoepfner
Der Tontechniker ist auch eine Vertrauensperson für die Band. Genauso wie ihr erwartet, dass er euch zuhört, empfiehlt es sich, auch dem Techniker zuzuhören

Vertrauen zum Tontechniker

Captain Kirk im Cockpit der Enterprise − so sieht es oft aus. Die Realität ist aber eine andere: Die klassische Aufgabe des Tontechnikers ist die Reproduktion einer Darbietung – welcher Art auch immer – auf einer Lautsprecheranlage. In der heutigen Zeit übernimmt der Tontechniker, möglich gemacht durch die technische Entwicklung, auch immer mehr die Funktion eines Produzenten (im Studio und live). Damit nimmt er auch Einfluss auf die Performance selbst.

Der Tontechniker ist – neben dem Lichttechniker – das Mitglied der Reisegruppe „Band“, welches jede Show aus dem Publikum miterlebt. Das heißt, er ist in der Regel auch eine Vertrauensperson für die Band, die die musikalische Darbietung beurteilen kann. Außerdem muss die Band entscheiden, inwieweit der Tontechniker auch künstlerisch tätig werden darf, da er damit unmittelbaren Einfluss auf die Darbietung ausübt.

Tontechniker sind, ähnlich wie Musiker, oft Perfektionisten auf ihrem Gebiet. Genauso wie ihr erwartet, dass sie euch zuhören, empfiehlt es sich, auch dem Techniker zuzuhören.  Alle arbeiten mit dem gleichen Ziel: Das Präsentieren einer guten Show. Es ist wichtig (genauso wie bei den Mitmusikern), einen Techniker zu finden, der zu euch passt. Es passen nicht immer alle Musiker in jede Band, genauso passen nicht alle Techniker zu jeder Band. Findet euren Mann/Frau und habt Vertrauen.

Frühjahrsputz im Arrangement

Wenn ihr als Band zusammenspielt, müsst ihr schon während der Probe den Gesamtsound der Band im Kopf haben. Und dementsprechend die Sounds, die ihr dem Techniker anbietet, schon vorbereiten. Jeder Sound muss seinen Platz im Gesamtbild haben. Wenn ein Bass in einem Refrain tiefe Noten auf der E-Saite spielt, könnte sich der Keyboarder fragen, ob sein tiefes Piano, welches die Basstöne noch mal mithämmert, an dieser Stelle wirklich Sinn macht, da der Bass diesen Bereich ja schon bedient. Wenn dann auch noch die tiefgestimmte E-Gitarre den Bassregler auf 11 hat, kommt irgendwann nur noch Matsch zusammen. Also, bitte immer schön aufräumen.

Ihr könnt es am besten beurteilen, indem ihr in der Probe versucht, so leise wie möglich zu spielen und eure Sounds so einzustellen, dass ihr trotzdem alles hört. Wenn ihr zum Beispiel das Gefühl habt, dass eure Rhythmusgitarre nicht laut genug ist, könnte ein Dreh am Mittenregler, anstatt an der Lautstärke, schon genug sein. Wenn ihr mit zwei Gitarren spielt, kann es Sinn machen, den Sound aufzuteilen: Eine Gitarre bedient den tiefen und hohen Frequenzbereich, die andere Gitarre die Mitten. So hört ihr immer beide Gitarren, auch in geringer Lautstärke und helft dem Tontechniker einen schönen, transparenten Sound zu erzeugen. Natürlich klingt jede Gitarre für sich alleine nicht schön, aber zusammen muss es passen. Wenn ihr alleine spielt, braucht ihr natürlich wieder einen anderen Sound.

Detlef Hoepfner
Versucht in der Probe, so leise wie möglich zu spielen und eure Sounds so einzustellen, dass ihr trotzdem alles hört

Ihr müsst euch generell überlegen, wer wann wo unterwegs ist. In der Grafik sieht man ein Beispiel der möglichen Verteilung einer Band aus Schlagzeug (ganz wichtig: gut gestimmt!), Bass, Gitarre und Gesang. Selbstverständlich nutzen alle Instrumente das gesamte Spektrum, aber wenn man bei der Auswahl der Sounds ein wenig darauf achtet, die Spitzen entsprechend zu positionieren, wird alles deutlich transparenter und aufgeräumter.

In einer Rockband macht es zum Beispiel keinen Sinn, den Bass bei 30 Hz aufzudrehen, da dort außer „Brummen“ nichts Songdienliches passiert. Bei einer Elektro-Produktion sieht es natürlich schon wieder anders aus. Eine gute Methode das Ganze auszuprobieren, ist eine Aufnahme im Proberaum mit einem oder zwei Mikros im Raum. So wurden früher in den Anfangszeiten Schallplatten aufgenommen und auch die klangen schon sehr gut. Testet eure Dynamik, überprüft ob sich die Sounds durchsetzen und die Solo-Lautstärken passen. Wenn eine Rhythmusgitarre plötzlich verschwindet, überlegt warum, anstatt sie einfach lauter zu machen.

 

Mischpult-Signalverteilung-Copyright-Daniel-Schindler

Daniel Schindler
Eine generelle Überlegung sowohl für das Arrangement, als auch den Mix: Die Verteilung der Instrumente

Der Arbeitsplatz des Tontechnikers

Historisch gesehen diente das Mischpult dem Zusammenführen mehrerer Eingangskanäle auf einen Mono- oder Stereo-Ausgang. In der Ursprungsversion gab es nur Lautstärkeregler, die dann im Laufe der Zeit mit einer Vielzahl von Funktionen erweitert wurden, um bessere Audioergebnisse zu erzielen. Heutzutage bieten Mischpulte, auch dank digitaler Technik, eine Vielzahl zusätzlicher Funktionen, bis hin zur kompletten Studioumgebung bei der Live-Show.

Dennoch ist der ursprüngliche Sinn wichtiger denn je. Gerade durch die Vielzahl von Möglichkeiten ist es immer gefährlich zu denken, dass der Tontechniker schon alles richten wird. Der Musiker und die Band müssen Wert darauf legen, dem Techniker die bestmöglichen Signale bereits anzubieten, damit im Idealfall keine dieser Funktionen benutzt werden muss, um den Sound der Band zu reproduzieren.

Wenn ihr dies beachtet, könnt ihr selbst mit einfachen, günstigen Mischpulten und auch ohne eigenen Tontechniker sehr gute Ergebnisse erzielen. Und gerade auf Festivals ist das Anbieten bestmöglicher Bandsignale wichtig, da der Festival-Techniker zwar in der Regel ein guter Mann ist, er aber eure Band nicht kennt. Daher muss alles schon auf der Bühne passen.

Wenn ihr euren eigenen Tontechniker habt, fragt ihn, was er benötigt, um eure Show entsprechend umzusetzen. Die (gemeinsame) Auswahl der Gerätschaften und Mikrofone ist ein andauernder Prozess. Es gibt immer neue Produkte und neue Ideen, und hoffentlich auch ein immer besseres Budget. Es gibt keine ultimative Lösung, die für alle passt. So individuell wie die Musiker sind auch die Lösungen, die man finden muss.

Wer weder einen eigenen Techniker noch PA-Anlage hat, muss meistens anmieten und da ist es wichtig, dem Vermieter einen möglichst ausführlichen Band Rider zur Verfügung zu stellen. So kann er auf einen Blick sehen, wo, wann, was und wie viel Equipment für einen erfolgreichen Abend vonnöten ist. Was ein Band Rider ist und was darin unbedingt angegeben werden sollte, beschreibt Oliver Voges in einem Leitfaden, der nicht nur für obiges Szenario hilfreich ist, sondern darüber hinaus nützliche Tipps für die technische Planung einer Veranstaltung generell aufzeigt.

Fazit: Wenn die Sounds aufgeräumt sind, kann nichts schief gehen.

Wenn ihr entsprechend vorbereitet seid, eure Pegel stimmen, die Sounds ausgeglichen und aufgeräumt sind, sollte eigentlich alles klappen. Selbst mit einer nicht so überzeugenden Festzeltbeschallung kann eure Band rund und ordentlich klingen, wenn ihr entsprechend anbietet. Findet ihr dann noch einen Tontechniker, dem ihr vertraut, steht einem schönen Abend nichts mehr im Weg!

Comments are closed.